Der Internationale Auschwitz-Rat

Im Jahre 1990 wurde vom Minister für Kultur und Kunst der Internationale Rat des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau ins Leben gerufen. Zur Teilnahme wurden vom Minister herausragende und bekannte Persönlichkeiten, Kenner der Geschichte des Zweiten Weltkrieges, der Konzentrationslager und des Holocaust, eingeladen.

Den Vorsitz im Museumsrat übernahm Prof. W³adys³aw Bartoszewski, ehemaliger Häftling des KL Auschwitz, Mitbegründer der "Zegota", einer geheimen Organisation, die während des Zweiten Weltkrieges Juden und Polen half, Historiker, Literat, damaliger Botschafter der Republik Polen in Wien. Der Museumsrat hatte eine beratende und meinungsbildende Funktion. Er unterstützte das Museum bei dessen umfangreicher Arbeit.

Der Rat beriet eingehend Probleme, die mit dem Funktionieren des Museums zu tun hatten und bewertete die verschiedensten Arbeiten und Veranstaltungen, z.B. Ausstellungen, Veröffentlichungen, Filme, Museumsführer, Beschriftungen und jede Form von Präsentation des ehemaligen Lagers. Der Rat besprach Konservierungsmaßnahmen, half mit, insbesondere bei Regierungen europäischer Länder, Gelder zur Realisierung konkreter Maßnahmen auf dem Lagergelände zu beschaffen.

Im Januar 2000 informierte der Premierminister die Öffentlichkeit vom Entstehen eines neuen Auschwitz-Rates. Dieser übernahm die Pflichten des bisherigen Rates. Im Unterschied zum bisherigen wurde er ein beratendes Organ der Riegierung, das diese in allen Fragen berät, die den Schutz und den Unterhalt nicht nur des ehemaligen Vernichtungslagers Auschwitz betreffen, sondern auch anderer ehemaliger Vernichtungsstätten. Die Amtsdauer des Auschwitz-Rates beträgt sechs Jahre. Sein Vorsitzender wurde Senator W³adys³aw Bartoszewski, der Vorsitzende des bisherigen Museumsrates.

Am 7. Juni 2000 überreichte der Premierminister in einer Feierstunde den neu ernannten Mitgliedern des Internationalen Auschwitz-Rates ihre Ernennungsurkunden. Dabei sagte Premierminister Jerzy Buzek u.a.: "Ich glaube, dass unsere gemeinsame Arbeit an der Erhaltung des für unsere Nachkommen tragischen Erbes der nazistischen Ausrottungspolitik am polnischen Volk und der Vernichtungspolitik am jüdischen Volk der Aussöhnung und dem gegenseitigen Verständnis dienen wird; dass die beginnende Zusammenarbeit von Experten und Wissenschaftlern, Menschen von hoher Autorität und gesellschaftlicher Anerkennung, dazu beitragen wird, durch die gemeinsahme Suche nach der Wahrheit über diese schreckliche Zeit, Stereotypen und Vorurteile zu überwinden".

Die Mitglieder des Internationalen Auschwitzer-Rates:

  1. Prof. W³adys³aw Bartoszewski, Vorsitzender, Polen
  2. Prof. Israel Gutman, Stellvertretender Vorsitzender, Israel
  3. Stefan Wilkanowicz, Stellvertretender Vorsitzender, Polen
  4. Kazimierz Albin, Polen
  5. Dr. Piotr M.A. Cywiñski, Polen
  6. Pfr. Prof. Micha³ Czajkowski, Polen
  7. Prof. Wac³aw D³ugoborski, Polen
  8. Henryk Flug, Israel
  9. Prof. Józef Garliñski, Polen
  10. David Harris, USA
  11. Dr. Stanis³aw Krajewski, Polen
  12. Nathan Leipciger, Kanada
  13. Miles Lerman, USA
  14. 15. Dr Richard Prasquier
  15. Prof. Bohdan Rymaszewski, Polen
  16. Agnieszka Magdziak-Miszewska, Polen
  17. Avner Shalev, Israel
  18. Stanis³aw Stankiewicz, Polen
  19. Kalman Sultanik, USA
  20. Prof. Józef Szajna, Polen
  21. Marian Turski, Polen
  22. Siegfried Vergin, Deutschland
  23. Prof. Jonathan Webber, Großbritannien
  24. Fred Zeidman, USA

Hier der vollständige Wortlaut der Rede von Premierminister Jerzy Buzek während des Treffens des Internationalen Auschwitz-Rates (Warschau, den 7. Juni 2000):

Sehr geehrte Damen und Herren,
Am 29. März habe ich Sie auf Antrag von Prof. W³adys³aw Bartoszewski zu Mitgliedern des Internationalen Auschwitz-Rates berufen, dem Nachfolger des Rates, der seinerzeit von der Ministerin für Kultur und Kunst, Frau Isabella Cywiñska berufen worden war. Allen, die fast 10 Jahre Mitglieder des Rates waren, möchte ich herzlich danken für die viele Mühe und die Anstrengungen, für die Lösung so vieler Probleme, für die Schlichtung von Spannungen und Konflikten, die Ihnen auf Ihrem Weg begegneten.
Meine Entscheidung, einen Internationalen Auschwitz-Rat zu berufen, der innerhalb der Strukturen der Regierun g tätig ist, erfolgte aus der tiefen Überzeugung heraus, dass er eine entscheidende Rolle beim Erhalt und beim Unterhalt nicht nur der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau spielen könnte und sollte, sondern auch bei den übrigen Vernichtungslagern, die durch ein von meiner Regierung vorgelegten und vom Parlament im Mai 1999 verabschiedeten Gesetz einem besonderen Schutz unterliegen.
Ich glaube, dass unsere gemeinsame Arbeit an der Erhaltung des für unsere Nachkommen tragischen Erbes der nazistischen Ausrottungspolitik am polnischen Volk und der Vernichtungspolitik am jüdischen Volk der Aussöhnung umd dem gegenseitigen Verständnis dienen wird; dass sich die beginnende Zusammenarbeit von Experten und Wissenschaftlern, Menschen von hoher Autorität und gesellschaftlicher Anerkennung, dazu beitragen wird, durch die gemeinsahme Suche nach der Wahrheit über diese schreckliche Zeit, Stereotypen und Vorurteile zu überwinden.
Meine Damen und Herren,
hier , auf polnischer Erde, vollzog sich die Vernichtung der polnischen und europäischen Juden, Sinti und Roma, hier wurden die schrecklichen Todesfabriken gebaut, hierhin kommen jedes Jahr junge Juden aus der ganzen Welt, um die Asche ihrer Vorfahren zu ehren. Wir Polen, Kinder des Volkes, das von den Nazis zu Sklaven bestimmt worden war, die bei geringstem Widerstand gegen die Okkupanten ermordet wurden, wollen unserer Märthyrer ehren. Wir haben aber auch gleichzeitig die Pflicht, des Volkes zu gedenken , das von den Nazis zum Tode verurteilt worden war. Eines Volkes, dessen Söhne und Töchter mit uns fast achthundert Jahre zusammenlebten. Das Gedenken an sie, an die Kultur, die sie hier aufgebaut hatten, an die Vernichtung, die sie verschlang, kann und sollte uns nicht trennen. Eine Rivalität unter den Opfern der Nazi-Barbarei wäre eine schreckliche Ironie der Geschichte - ein Sieg über die Gräber der Nazi-Henker hinaus.
Unter anderem auf Sie, die Mitglieder des Internationalen Auschwitz-Rates, ruht die Pflicht, darüber zu wachen, dass dies nicht eintrifft. Ich glaube daran, dass Sie allen Herausforderungen gewachsen sein werden, die auf Sie und Ihre schwierige Arbeit zukommen.
Meine Damen und Herren,
gestatten Sie mir zum Abschluss an die Worte zu erinnern, die am 23 März dieses Jahres mein großer Landsmann, Papst Johannes Paul II., während seines Besuches in der Jerusalemer Gedenkstätte Yad Vashem ausgesprochen hat:
"Ich bin nach Yad Vashem gekommen, um die Millionen Juden zu ehren, die, jeglicher Menschenwürde beraubt, während des Holocaust ermordet wurden. Seitdem ist mehr als ein halbes Jahrhundert vergangen, die Erinnerungen aber bleiben.
Hier, ähnlich wie in Auschwitz und an vielen anderen Orten in Europa, werden wir von dem Echo der herzzerreißenden Klagen so vieler Menschen erdrückt. Männer, Frauen und Kinder schreien zu uns aus den Tiefen jener Greuel, die sie erleiden mußten. Wie konnte es geschehen, dass wir ihre Klagen nicht gehört haben? Niemand darf vergessen, verschweigen oder das Ausmaß dessen herabmindern, was geschehen ist.
Wir wollen uns erinnern. Aber wir wollen uns mit einem ganz bestimmten Ziel erinnern. Mit der Gewissheit nämlich, dass niemals mehr das Böse triumfieren wird, wie das im Falle der Millionen Nazi-Opfer der Fall war".

Wir alle sind die Adressaten der päpstlichen Botschaft, aber Sie, die Mitglieder des Internationalen Auschwitz-Rates, sind es im besonderen Maße. Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen, dass Sie den Aufgaben gewachsen sein mögen, die vor Ihnen stehen.

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