Tätigkeit des Bildungszentrums

Je weiter wir uns zeitlich von den Ereignissen des 2.Weltkrieges entfernen, umso eine größere Bedeutung bekommt die Bildungs-und Erziehungsarbeit in den Gedenkstätten. Sie ist insbesondere wichtig für die jüngeren Generation, deren Wissen und Sensibilität sich erst herausbildet. Für die einzelnen Nachkriegsgenerationen ist die Geschichte von vor über einem halben Jahrhundert insofern weit entfernt, dass sie sich nicht mit ihr identifiziert, so wie das ihre Eltern oder Großeltern tun.

Bildungs-und Erziehungsarbeit an den Gedenkstätten, von denen Auschwitz als herausragendes Symbol für verschiedene nationale und religiöse Gruppen einen besonderen Ort darstellt, ist für die zeitgenössischen Gesellschaften von besonderer Wichtigkeit. Sowohl der Besuch des ehemaligen Lagers als auch die ihn begleitende pädagogische Arbeit bieten sehr gute Möglichkeiten Einfluss auf die Gestaltung von Einstellungen der jungen Generation zu nehmen. Sie erziehen zur Toleranz, zeigen Methoden auf sich zu widersetzen und solche Erscheinungen wie Fremdenfeindlichkeit, Vorurteile, Stereotypen oder Rassendiskriminierung zu bekämpfen, von denen die Menschheit sich niemals wird befreien können und die, falls sie nicht rechtzeitig gebremst werden, zu unvorstellbaren Barbareien sogar im Zentrum der zivilisierten Welt führen können. Eine ständige und enge Zusammenarbeit der Museumspädagogen mit den Lehrern ist unerlässlich, damit universelle Inhalte und moralische Intentionen, die mit einen Gegenkstättenbuch von Jugendlichen verknüpft werden, diesen auch vollends vermittelt werden können. Im Bildungszentrum des Museums Auschwitz-Birkenau erhalten die Lehrer wesentliche Hilfen, entsprechend vorbereitete didaktische Pakete, die das historische Material enthalten sowie Skripte von Vorlesungen, die die Jugendlichen auf dem Gedenkstättenbesuch vorbereiten bzw. diesen Besuch nachbereiten. Lehrer haben ebenfalls die Möglichkeit, sich selbst durch Schulungen und Werkstätten weiterzubilden. Ihnen stehen Bibliotheken und Leseräume sowie Seminarräume zur Durchführung von Vorlesungen durch pädagogische Mitarbeiter des Museums oder durch die Lehrer selbst zur Verfügung.

Fortbildung der Lehrer

Der Studiengang für Postgraduierte „Totalitarismus - Nazismus - Holocaust” wird in Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Akademie in Krakau angeboten. Er ist für Lehrer der humanistischen Fächer bestimmt, umfasst 180 Stunden Vorlesungen und Seminare, die auf zwei Semester verteilt liegen. Die Hörer schreiben eine Diplomarbeit, stellen sich einer Abschlussprüfung und erhalten ein Zeugnis über das abgeschlossene Studium.

Der Studiengang umfasst folgende Themen:

  • Totalitarismus, Faschismus, Rassismus, soziologische Aspekte für das Entstehen von Vorurteilen und Stereotypen.
  • Die Nazi-Konzentrationslager unter besonderer Berücksichtigung des KL Auschwitz
  • Geschichte und Kultur des jüdischen Volkes
  • Verfolgung und Vernichtung des jüdischen Volkes durch die Nazis
  • Holocaust und Konzentrationslager in Literatur und Kunst
  • Holocaust und Konzentrationslager in Spiel- und Dokumentarfilmen
  • Die Zeit nach Auschwitz und dem Holocaust: Überwindung der Vergangenheit und der Vorurteile
  • Polen und Juden im 2.Weltkrieg und in der Nachkriegszeit
  • Das Schicksal des jüdischen Volkes nach dem 2. Weltkrieg. Die Entstehung des Staates Israel, innenpolitische Probleme und Stellung in der internationalen Politik.
  • Totalitarismus, Nazismus und Holocaust in der schulischen Erziehung.

Die vier- und sechstägigen Lehrerseminare behandeln u.a. folgende Themen:

  • Zweitägige Spezialbesichtigung des Museums
  • Das Schicksal der größten Opfergruppen des Lagers
  • Selbständiges Arbeiten mit Jugendlichen in den Sammlungen des Museums, im Archiv und in der Bibliothek.
  • Wie sollte ein Besuch im Museum Auschwitz vorbereitet und nachbereitet werden - Unterrichtsvorbereitungen vor und nach dem Museumsbesuch. Die Seminarteilnehmer erhalten ein didaktisches Paket, das Vorlesungsskripte und didaktische Hilfen enthält.
  • Arbeit mit Spiel- und Dokumentarfilmen zur Tragödie von Auschwitz.
  • Rolle und Möglichkeiten einer Zusammenarbeit mit anderen Bildungszentren in Auschwitz - dem Dialogzentrum, der Internationalen Jugendbegegnungsstätte, dem Zentrum des Hl.Maximilian.
  • Fakultatives Arbeiten für einzelne Gruppen zu speziellen Themen, wie z.B. Medizinische Experimente, Kinder im KL Auschwitz, der Alltag eines Häftlings usw.

Der Unterricht findet in Form von Vorlesungen, Seminarübungen und Workshops statt. Die viertägigen Seminare umfassen 40 Didaktik-Stunden, die sechstägigen 60 Didaktik-Stunden. Die Seminare werden als berufliche Fortbildungskurse anerkannt.

Kurse für Schüler und Studenten

Die mehrtägigen Seminare für Studenten gleichen inhaltlich den Seminaren für Lehrer. Zu den ein- und zweitägigen Seminaren für Schüler von Gymnasien gehören ein intensiver Museumsbesuch, ein Treffen mit einem ehemaligen Häftling, Dokumentarfilme, ein Vortrag oder Arbeit in einem Workshop. Die Themen werden mit dem Gruppenleiter abgesprochen.

Die Unterrichtsstunden im Museum für die Schüler behandeln u.a.:

  • Das Schicksal eines Häftlings
  • Kunst im Lager
  • Wie kann man hier Leben? Einwohner von Auschwitz während des Krieges und heute
  • Liebe in der Hölle
  • Der Heizer im Krematorium

Geschichte des KZ Auschwitz | Museum | Besuch | Wie Sie uns helfen können | Publikationen | Aktuelles | Impressum | Links | Suchen | E-Mail